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Gastkommentar in der "Wiener Zeitung" vom 22. August 2007

Was bedeutet Leistungsausgleich zwischen Familien und Kinderlosen? Welche finanziellen Leistungen erbringen Kinderlose für die Familien und umgekehrt?

Sehr viele Menschen sind immer noch der Meinung, Familien werden bei uns durch eine Vielzahl von Familienleistungen "verwöhnt", seien Nutznießer unseres Sozialsystems und weitere Verbesserungen seien nicht nötig. Wahr ist aber das Gegenteil! Eltern tragen den größten Teil der Kinderkosten, der "Nutzen", die von den Kindern später gezahlten Pensionsbeiträge, kommt unabhängig von der Kinderzahl allen zugute, die Kinderlosen werden wegen ihrer meist längeren Beitragszeiten noch bevorzugt.

Diese Umverteilung von Mehrkindfamilien zu Kinderlosen und zu den Einkindfamilien ist viel größer als alles, was Mehrkindfamilien über sämtliche Familienleistungen (Familienbeihilfen, Kinderbetreuungsgeld, kostenloses Schulsystem etc) zurückbekommen.

Dazu nur einige Zahlen: Über unser Pensionssystem werden jährlich etwa 33 Milliarden Euro von den Erwerbstätigen über Pensionsbeiträge und Steuern aufgebracht und als Pensionen an die Generation ihrer Eltern ausgezahlt. Dabei stammen etwa 85 Prozent dieser Beiträge von Kindern aus Mehrkindfamilien, aber weniger als 50 Prozent kommen deren Eltern zugute, das übrige geht an Kinderlose und Eltern aus Einkindfamilien. Wir haben also jährlich über das Pensionssystem eine Umverteilung von etwa 11,5 Milliarden Euro von den Mehrkindfamilien zu den Kinderlosen und zu den Einkindfamilien.

Umgekehrt zahlen alle Österreicher Beiträge zum Familienlastenausgleichsfond (ca. 5 Milliarden) und finanzieren damit Familienbeihilfen und Kinderbetreuungsgeld und darüber hinaus über Steuern unsere Schulen und Universitäten (ca. 8 Milliarden). Diese Mittel kommen vorwiegend den Mehrkindfamilien zugute. Grob gesprochen wird nur etwa die Hälfte dieser Kosten von den Mehrkindfamilien selbst aufgebracht, aber ca. 85 Prozent der Leistungen von Ihnen in Anspruch genommen. Damit gibt es jährlich eine Umverteilung von ca. 4,5 Milliarden von den Kinderlosen und den Einkindfamilien zu den Mehrkindfamilien.

Das heißt: Trotz aller Familienleistungen und kostenlosem Schulbesuch werden jährlich etwa 7 Milliarden Euro von den Mehrkindfamilien zu den Kinderlosen und zu den Einkindfamilien umverteilt. Pro Kind und Jahr entspricht dies ca. 5000 Euro. Von einem fairen Leistungsausgleich sind wir also heute in Österreich, wie auch in den meisten anderen Staaten Europas, meilenweit entfernt.

Es ist daher notwendig, durch bessere Familienleistungen einen fairen Leistungsausgleich zwischen Kinderlosen und Mehrkindfamilien herzustellen. Als wichtiger Schritt zu diesem Ziel sollte daher die nächste Steuerreform zu einer drastischen Entlastung der Familien bei der Lohn- und Einkommensteuer führen.

Herbert Vonach ist emeritierter Universitätsprofessor für Kernphysik und Obmann des Freiheitlichen Familienverbandes.

Hier gehts zum Artikel online


Fairer Leistungsausgleich zwischen Familien und Kinderlosen – Grundlage einer geburtenorientierten Familienpolitik1

Herbert Vonach

Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit wird die Umverteilungswirkung untersucht, die einerseits von dem umlagefinanzierten österreichischen Pensionssystem und andererseits von den staatlichen Familienleistungen und dem steuerfinanzierten Bildungssystem ausgehen. Es wird gezeigt, dass es in diesem Gesamtsystem nur zu einem sehr mangelhaften Leistungsausgleich zwischen Kinderlosen und kinderreichen (3 oder mehr) Familien kommt.

Trotz aller Familienleistungen findet derzeit in Österreich ein jährlicher Transfer von etwa 3 Mrd. _ von den Familien mit 3 und mehr Kindern zu den Kinderlosen statt. Dieser Betrag entspricht etwa einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder 17 bzw. 12% der jährlichen Lohnsumme der beiden Gruppen. In einem zweiten Abschnitt werden die Auswirkungen dieser massiven Umverteilung diskutiert, sowohl im Hinblick auf die Einkommenssituation von Familien und Kinderlosen als auch im Hinblick auf den Einfluss auf die Fertilität. In einem letzten Abschnitt werden mögliche Maßnahmen zum Abbau der beschriebenen Transfers und damit zur Erzielung eines fairen Leistungsausgleichs vorgeschlagen.

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